Fragen & Antworten zu ADHS

ADHS - Was ist das?

ADHS - Was ist das?


ADHS ist die Abkürzung für die "Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung". Oft wird auch die ältere und einfachere Form ADS (Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom) verwendet. Weitere Kürzel sind ADHS, ADS/H, engl. auch ADD und ADHD.

Während im sog. Volksmund sich eisern die Bezeichnungen das ADS und das ADHS halten, gemeint sind dann das Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom bzw. Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom mit Hyperaktivität, wird in Fachkreisen nur noch von der ADHS gesprochen.

Es ist eine von der Weltgesundheitsbehörde WHO anerkannte Störung bzw. Krankheit. Bei ADHS handelt es sich meist um eine genetisch bedingte Abweichung im Gehirnstoffwechsel. Heute wird der Vererbungsanteil auf 80-90% geschätzt. Die Betroffenen haben meistens Schwierigkeiten mit der Konzentration, der Gedächtnisleistung und der Steuerung ihrer Impulsivität. Daraus resultieren oft Probleme mit der Kommunikation und/oder dem Sozialverhalten. ADHS wirkt sich bei jedem/jeder Betroffenen unterschiedlich aus.

ADHS kann zu erheblichen Störungen und Beeinträchtigungen in der Lebensqualität führen. Das hängt von den Lebensbedingungen und vom Ausprägungsgrad des ADS ab. Die ADHS tritt in zwei Erscheinungsweisen auf. Für Hyperaktive hat sich der Begriff Zappelphilipp eingebürgert, Hypoaktive werden häufig Traumsusen genannt. Meist liegt es jedoch in einer Mischform vor.
Die Auswirkungen der ADHS

Die ADHS-Symptome treten sehr unterschiedlich auf. Es müssen also nicht alle Symptome aus der folgenden Aufzählung auftreten, und auch nicht in gleicher Stärke.

Menschen mit ADHS sind

  • häufig unaufmerksam und ablenkbar, besonders bei Tätigkeiten, die sie nicht sehr stark motivieren (schnell wechselnder Brennpunkt des Interesses;
  • immer auf dem Sprung, mit großer innerer Unruhe - besonders wenn Abwarten oder Zuhören erwartet wird, sie sind impulsiv, Gefühle werden sofort ausgelebt;
  • ungeduldig - Abwarten fällt ihnen schwer, sie sind reizbar, streiten häufig, unterschätzen Gefahren;
  • vergesslich und verfügen meist über ein schlechtes Kurzzeitgedächtnis (insbesondere bei alltäglichen Dingen);
  • sie verlegen oder verlieren oft Dinge wie Schlüssel, Papiere etc.;
  • zerstreut und chaotisch; die Kommunikation und soziale Kontakte sind oft schwierig (hören nicht zu, haben wenig Blickkontakt, reden dafür ständig oder schalten ab);
  • zerstreut und chaotisch; die Kommunikation und soziale Kontakte sind oft schwierig (hören nicht zu, haben wenig Blickkontakt, reden dafür ständig oder schalten ab);
  • sehr motivationsgesteuert (beginnen Aufgaben oft begeistert, schließen sie jedoch häufig nicht ab); sie haben schnell Langeweile;
  • überempfindlich bei Kritik, haben ein geringes Selbstwertgefühl, sind stimmungslabil, haben starke emotionale Schwankungen und eine niedrige Frustrationstoleranz;
  • sie erbringen mangelnde Leistungen in Relation zu ihren Möglichkeiten bzw. Fähigkeiten;
  • stark angewiesen auf äußere Strukturen; sie sind dann aber auch zu ungewöhnlichen bzw. nicht erwarteten Leistungen fähig; sie haben Probleme mit Ordnung und Organisation (sammeln gerne, lassen sich die Papierberge aufstapeln);
  • sie sind visuell orientiert; sie haben Schwierigkeiten mit Entscheidungen und damit, sich selbst und den Alltag zu managen;

ADHS wirkt sich aber meist nicht nur negativ aus, denn viele Menschen mit ADHS sind oft

  • sehr wachsam, kreativ, ideenreich
  • feinfühlig und energievoll
  • sehr flexibel und wagemutig
  • von einem ausgeprägten Gerechtigkeitsempfinden


Bei wem tritt ADHS auf?

ADHS tritt bei Kindern und Erwachsenen auf. Oft sind mehrere Mitglieder einer Familie davon betroffen. Die Symptome zeigen sich in der Regel von Geburt an bis zum Lebensende, verändern sich aber in ihren Ausprägungen im Laufe des Lebens. Bei bis zu 50% der ADHS-Kinder setzt sich die Symptomatik bis ins Erwachsenenalter fort. ADHS ist nicht das Ergebnis eines elterlichen "Erziehungsfehlers". Dennoch können sich durch ADHS schwierige Beziehungskonstellationen und Alltagssituationen entwickeln. Stressauslösende belastende Umwelt- und Familiensituationen können ADHS fördern.

Was ist ADHS nicht?

ADHS wird in der Regel nicht erzeugt durch Erziehungsfehler, Probleme im Elternhaus, falsche Ernährung, Geburtsfehler, Fehlsichtigkeiten, Haltungsschäden, um nur die häufigsten nicht neurobiologischen Erklärungsversuche aufzulisten. Die häufigsten Verwechslungsmöglichkeiten gibt es bei Schilddrüsenproblemen, Hochbegabung und Allergien, weil diese ähnliche Symptome auslösen können.

Was kann man tun?

Zuerst muss eine sorgfältige Abklärung erfolgen, ob ADHS wirklich vorliegt. Ist dies der Fall, lässt sich ADHS gut mit medikamentöser Therapie und/oder begleitender Beratung bzw. Therapie behandeln. Die Medikamente normalisieren den Stoffwechsel im Gehirn, so dass eine Verbesserung der Symptome erreicht wird. Parallel dazu müssen in der Regel neue Verhaltensweisen eingeübt und das bisherige Handeln überdacht und ggf. verändert werden.

Wichtig ist die Prävention, weil es Entwicklungsbedingungen gibt, die ADHS-Probleme vermeiden helfen, wenn sie bereits bei kleinen Kindern berücksichtigt werden.

Entsprechend der Vielfalt der Symptome werden Hilfen an verschiedenen Stellen ansetzen. Es müssen jedoch die auf den Bedarf des Kindes wie des Erwachsenen ausgerichteten Therapien und Hilfen individuell ausgewählt werden.

Häufig sind persönliche und familiären Beziehungen sowie das Berufsleben mehr oder weniger schwer gestört und müssen in Ordnung gebracht werden. Die Spanne der Hilfen reicht von therapeutischer Problembehandlung über praktische Hilfen zur Lebensgestaltung bis hin zur Förderung der vorhandenen Potentiale.

Was wünschen sich Menschen mit ADHS?

Sie möchten einfach in ihrer Andersartigkeit akzeptiert werden. Sie möchten nicht pädagogisch umgebogen werden. Sie möchten nicht diffamiert werden, wenn sie Medikamente einnehmen, um in dieser Gesellschaft ein glückliches Leben führen zu können.

Und was geben Menschen mit ADHS der Gesellschaft?

Thales von Milet, Friedrich Schiller, Churchill, Mozart und Edison sollen ADHS gehabt haben. Zu der Störung bekannt haben sich u.a. die US-Filmstars Dustin Hoffmann und Whoopi Goldberg, auch von Microsoftgründer Bill Gates wird es berichtet. Die Liste bedeutender Menschen mit deutlicher ADHS-Symptomatik ist lang. Für ihre Zeitgenossen waren bzw. sind sie oft genug eher eine Plage oder sogar Zumutung. Aber wäre die Welt nicht ärmer ohne diese Zappelphilipps und Träumer?

Welche Ursachen liegen ADHS zu Grunde?

Die Frage nach den Ursachen des ADHS gehört sicher zu den sehr häufig gestellten, die Antworten darauf werden jedoch meist unbefriedigend gegeben.

Innerhalb der letzten 15 Jahre hat sich nach unserer Beobachtung allerdings ein deutlicher Wandel in der Sichtweise ergeben. So kletterten die Prozentzahlen bei der Einschätzung, welchen Anteil die Gene an ADHS haben, von bestenfalls 50% in kurzer Zeit auf bis zu 90%.

Mittlerweile wird daher in der Regel eine Veränderung im Hirnstoffwechsel als Usache genannt, die genetisch bedingt ist. Es handelt sich bei der ADHS also um eine genetische Disposition. Die Frage nach der Ursache der Disposition bzw. der veränderten Gehirnfunktion wird dabei allerdings ausgeblendet. Ob es sich also um eine Art Erbkrankheit oder einfach ein Anderssein handelt wird nicht beantwortet, obwohl gerade diese Frage für die Betroffenen und ihre Behandlung durch die Gesellschaft äußert wichtig wäre.

Es wird ärztlicherseits meist eine fehlerhafte Informationsverarbeitung zwischen verschiedenen Hirnabschnitten (Frontalhirn, Basalganglien) angenommen, bedingt durch Störungen im Stoffwechsel der Botenstoffe (vor allem Dopamin). Eine mangelnde Hemmung von Impulsen führt zu ungenügender Selbstregulation. Dauernd neue, ungefilterte Informationen und Impulse stören die Informationsverarbeitung im Arbeitsgedächtnis, wodurch ein Abgleich mit Erfahrungen aus dem Langzeitspeicher zur vorausschauenden Handlungsplanung erschwert wird. Sie behindern das dauerhafte Aufrechterhalten von Aufmerksamkeit, den Aufbau von Motivation, den Ausgleich von Affekten und den Zugriff auf vorhandene Fähigkeiten. Dies führt dann zu Aufmerksamkeitsschwäche, Impulsivität und/oder Hyperaktivität.

Diese Symptome der Selbststeuerungsschwäche lösen bei der Umgebung negative Reaktionen aus, um so mehr, je ungünstiger die Milieubedingungen sind. Bedeutsam ist dabei auch, dass relativ häufig Eltern selbst von ADHS betroffen sind. Frühgeburtlichkeit, Alkohol und andere Drogen in der Schwangerschaft sowie schwere cerebrale Erkrankungen können in seltenen Fällen zu einem ähnlichen Erscheinungsbild führen.

Warum ist die Bezeichnung manchmal ADS, dann wieder ADHS?

Historisch gesehen sind ADHS und ADS Übersetzungen aus den amerikanischen Bezeichnungen ADHD und ADD. Gemeint waren damit ursprünglich die beiden ADHS-Varianten des Aufmerksamkeits-Defizit-Syndroms mit und ohne Hyperaktivität. Es gab aber auch noch etliche weitere Bezeichnungen bzw. Kürzel.

Auch nach der jüngsten Umbenennung in Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung hat sich ADS als Bezeichnung gehalten. Eine sehr simple Erklärung ist, dass ADS sich einfach besser bzw. leichter spricht als ADHS. Außerdem besteht das Bedürfnis, die beiden Varianten der ADHS auch sprachlich voneinander zu unterscheiden.

Meist wird heute mit ADS also die Träumerversion der ADHS gemeint, also die Hypoaktivität. Entsprechend bezeichnet ADHS dann die hyperaktive Variante, die sog. Zappelphilipps. ADS ist dann ADHS ohne Hyperaktivität. Als weitere Spielart existiert die  Bedeutung des Begriffs ADS als Grundstörung, ggf. mit dem zusätzlichem H als hyperaktive Variante. In der früher auch zu findenden Schreibweise ADS/H wird dies besonders deutlich.

Im Selbsthilfebereich ist nach wie vor ADS eingebürgert und wird dort gemeinsam mit ADHS verwendet, unter Ärzten herrscht dagegen die Bezeichnung ADHS vor.

Im Zweifelsfall sollte der Gesprächspartner gefragt werden, welchem Sprachgebrauch er/sie folgt. Oft verbinden sich auch innere Einstellungen mit der gewählten Bezeichnung

Ist ADHS eine moderne Zivilisationskrankheit?

Das ADHS ist keine moderne Zivilisationskrankheit. Zwar wird historisch meist mit dem Struwwelpeter begonnen, das früheste eindeutige historische Zeugnis ist jedoch mehr als zweitausend Jahre älter. Von Thales von Milet wird anekdotisch berichtet, dass Thales, in seine philosophischen Reflexionen vertieft, die Welt um sich herum vollkommen aus den Sinnen verlor und ein Erdloch übersah, in welches er prompt hineinstürzte. Es handelt sich also um die gleiche Verträumtheit, wie beim "Hans guck in die Luft" im Struwwelpeter. Postwendend habe ihn eine thrakische Magd verspottet: "Er will wissen, was am Himmel ist, aber es bleibt ihm verborgen, was vor ihm und zu seinen Füßen liegt!"

Auch Platon kannte anscheinend dieses Geschehnis: "Wenn er (...) über das reden muss, was zu seinen Füßen oder vor seinen Augen liegt, ruft er Gelächter hervor: Aus Unerfahrenheit fällt er in den Brunnen und in jegliche Verlegenheit. Seine Ungeschicklichkeit ist entsetzlich und er erweckt den Anschein der Einfältigkeit. Was aber der Mensch ist (in seinem tiefsten Wesen), (...) danach sucht er und das zu erforschen müht er sich."

In jüngerer Vergangenheit wurde die Symptomatik anekdotisch vom deutschen Arzt H. Hoffmann im "Struwwelpeter" 1846/47 beschrieben. Ein deutscher Badearzt – Scherpff - lieferte 1888 eine gute Beschreibung unter dem Begriff "das impulsive Irresein als häufigste Seelenstörung im Kindesalter". Und 1902 beschrieb der englische Kinderarzt George F. Still ein Störungsbild mit Beeinträchtigungen der Aufmerksamkeit, motorischer Überaktivität und Unfähigkeit zu diszipliniertem Verhalten. Er führte aus, dass nicht in erster Linie schlechte Erziehung oder ungünstige Umweltbedingungen, sondern eine angeborene Konstitution für diese Symptome verantwortlich sind.

Wie ist es mit der Häufigkeit von ADHS?

In Deutschland wird oft mit einer Häufigkeit von 5% im Kindes- und Jugendalter gerechnet, das entspricht ca. 500.000 Betroffene zwischen 6 und 18 Jahren. Es gibt auch eher vorsichtige Schätzungen mit einer Untergrenze von 2% (2-5%) und höhere von 5-8% Anteilen an den Jahrgängen. Bei Untersuchungen zur Häufigkeit wurden in Abhängigkeit von der angewandten Untersuchungsmethode jeweils etwas verschiedene Werte gefunden. Die AG-ADHS hält z.B. 5% für einen realistischen Wert. Bemerkenswert ist, dass in verschiedenen Staaten und Ländern ähnlich hohe Quoten gefunden wurden.

Die Häufigkeit ist auf jeden Fall so hoch, dass es wohl kaum eine Schulklasse gibt ohne mindestens ein betroffenes Kind. Bei Erwachsenen wird geschätzt, dass die Symptome bei ca. 50 % aller Betroffenen fortdauern.

Wie bekomme ich eine 100% sichere Diagnose?

Sehr häufig kann man den Eindruck haben, dass eine ADS-Diagnose wie ein Schwangerschafts-  oder Diabetestest verstanden wird. Entweder ist man es oder nicht. Man hat es ganz oder gar nicht.

Leider beschreibt dies die Realität nicht korrekt, denn ab wann ADS als solches (an)erkannt wird, ist mehrfach willkürlich. Dies beginnt bei der Ausprägung (Art und Weise) der Probleme in Kombination mit der Stärke der Symptome, und geht dann weiter über die Tagesform der Beteiligten bei der Diagnose. Auch die Umwelt entscheidet ein Stück weit darüber, ob ich eine Diagnose suche oder nicht. Die untersuchte Person kann dann einen guten oder schlechten Tag haben, genauso die untersuchende Person. Steht vielleicht eine Grippe ins Haus, wurde etwas Unverträgliches gegessen, war die Nacht schlaflos, wurde "beruhigende" Cola getrunken und "aufpeitschendes" Baldrian genommen? Weiter geht es dann über die Wahrnehmungsfilter der Beurteilenden. Diese sind wiederum von der Ausbildung und den persönlichen Einstellungen abhängig.

Trotz der vielen Variablen werden in der Masse zutreffende Beurteilungen herauskommen. Aber angesichts des Verfahrens und der Vorgabe kann kein wirklich objektives Ergebnis erwartet werden.

Wie selbst objektive Befunde zu unterschiedlichsten Beurteilungen führen, haben schon vor länger Zeit die Untersuchungen an den Schulen gezeigt. Dort wurden identische Mathematikarbeiten mit geradezu unglaublichen Notenspannweiten beurteilt.

Was bedeutet das nun praktisch? Zuerst einmal, dass eine Diagnose relativ ist. Ihr Ja/Nein-Charakter ist verwaltungs- bzw. abrechnungstechnischer Natur. Aber sie sagt nur eingeschränkt etwas über Art und Umfang eines ADS aus.
 

ADHS und Autofahren (bei Einnahme von Medikamenten)

Welche rechtlichen Aspekte vom Fahren unter Einfluss von Stimulanzien sind zu beachten?

(Verfasserin: M. Witte)


Für Erwachsene mit ADHS stellt sich oft die Frage, ob sie unter Einfluss von Methylphenidat Autofahren dürfen.

Laut der Fahrerlaubnisverordnung (FeV) darf jemand, der unter dem Einfluss von Medikamenten steht, die unter das Betäubungsmittelgesetz fallen, keine Fahrerlaubnis haben bzw. kein Kfz führen.

Da Medikamente mit Methylphenidat als Wirkstoff unter das Betäubungsmittelgesetz fallen, gilt diese Vorschrift hier also auch.

Aber es gibt eine Ausnahme, wenn medizinisch bestätigt wird, dass die Medikamente bestimmungsgemäß zur Behandlung einer Krankheit eingesetzt werden.

Auch das Straßenverkehrsgesetz kann zur Beantwortung der Frage herangezogen werden.

Laut §24a des StVG heißt es: „Ordnungswidrig handelt, wer unter der Wirkung eines in der Anlage zu dieser Vorschrift genannten berauschenden Mittels im Straßenverkehr ein Kraftfahrzeug führt. Eine solche Wirkung liegt vor, wenn eine in dieser Anlage genannte Substanz im Blut nachgewiesen wird. Satz 1 gilt nicht, wenn die Substanz aus der bestimmungsgemäßen Einnahme eines für einen konkreten Krankheitsfall verschriebenen Arzneimittels herrührt.

Amphetamine zählen zu den genannten Substanzen. Methylphenidat wird rechtlich als Amphetamin behandelt. Die Vorschrift gilt also auch für Medikamente mit diesem Wirkstoff.

Wer also nachweisen kann, dass er oder sie Methylphenidat therapeutisch einnimmt, der begeht keine Ordnungswidrigkeit.

Trotzdem kann er oder sie sich strafbar machen.

In §316 (1) des Strafgesetzbuch heißt es: “ Wer im Verkehr (§§315 bis 315d) ein Fahrzeug führt, obwohl er infolge des Genusses alkoholischer Getränke oder anderer berauschender Mittel nicht in der Lage ist, das Fahrzeug sicher zu führen, wird mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bestraft, wenn die Tat nicht in § 315a oder §315c mit Strafe bedroht ist.

Für die Strafbarkeit ist, im Gegensatz zur Ordnungswidrigkeit, die tatsächliche Wirkung einer Substanz auf den Fahrzeugführer entscheidend.

Wer ein Fahrzeug führt (und dazu gehören auch Fahrräder) obwohl er oder sie weiß oder wissen müsste, dass durch eingenommene Mittel die Fahrtüchtigkeit eingeschränkt ist, der macht sich strafbar.

Wer weiß, dass er in seiner Fahrtüchtigkeit eingeschränkt ist, sei es weil er diese Information vom Arzt erhalten hat oder weil er es an den Reaktionen seines Körpers (z.B. Schwindel) bemerkt und trotzdem autofährt, der macht sich strafbar und handelt mit Vorsatz.

Wer ein Fahrzeug fährt, während er eingeschränkt fahrtüchtig ist, dies jedoch nicht selbst weiß, der handelt fahrlässig. Es ist die Aufgabe jedes Verkehrsteilnehmers, sich über die Wirkung von eingenommenen Medikamenten zu informieren.

Für die bestimmungsgemäße Einnahme von Methylphenidat bedeutet dies Folgendes: Der betroffene Erwachsene muss sicherstellen, dass das Medikament optimal wirkt. Ist er durch das Medikament in seiner Fahrtüchtigkeit eingeschränkt, weil er sich z.B. im Rebound befindet, so kann er sich strafbar machen, auch wenn ein Attest vorhanden ist.

Käme es zu einer Gerichtsverhandlung aufgrund eines Unfalls, so würde im jeweiligen Einzellfall entschieden, ob der Unfallverursacher in seiner Fahrtüchtigkeit eingeschränkt war oder nicht.
 

Quellen:
Winkler, Martin
ADHS und Autofahren
Web4Health

Hinkel, Sabine
Amphetaminhaltige Medikamente im Straßenverkehr
ADHS-Deutschland e.V.

Ergänzung zum obigen Artikel durch Erich Witte (13.12.2011)

... Methylphenidat (MPH) baut entgegen weitläufiger Meinung im Körper nicht zu Amphetamin, sondern zu Methylphenidatsäure ab. Damit kann das Fahren im Straßenverkehr unter Einfluss von MPH nicht die Ordnungswidrigkeit nach § 24a Abs. 2 StVG erfüllen. Diese Vorschrift setzt nämlich voraus, dass der Täter „unter der Wirkung eines in der Anlage zu dieser Vorschrift genannten berauschenden Mittels im Straßenverkehr ein Kraftfahrzeug führt“ ... In der Anlage stehen aber nur Cannabis/THC, Heroin/Morphin, Kokain/Benzoylecgonin, Amphetamin, Methamphetamin und Ecstasy/MDE/MDA/MDEA). Darauf, ob das nachgewiesene Ritalin aus der bestimmungsgemäßen Einnahme eines für einen konkreten Krankheitsfall verschriebenen Arzneimittels herrührt (Ausnahme nach § 24a Abs. 2 Satz 3 StVG), kommt es damit nicht mehr an.


Quelle: Zusammenfassung aus dem Blogbeitrag "Mit Ritalin im Blut im Straßenverkehr unterwegs – darf man das?" von Jörn Patzak, Staatsanwalt)(http://blog.beck.de/2011/10/30/mit-ritalin-im-blut-im-strassenverkehr-unterwegs-darf-man-das)

Wie ist die Auswirkung von ADHS auf das Fahrverhalten (mit und ohne Medikamention)

(Verfasserin: M. Witte)

Menschen mit ADHS haben Schwierigkeiten mit der Impulskontrolle, Aufmerksamkeitssteurung, Hyperaktivität (welche sich bei Erwachsenen eher in Form von innerer Unruhe, denn als körperliche Überaktivität zeigt) und den exekutiven Funktionen.

Die exekutiven Funktionen sind diejenigen Fähigkeiten, die notwendig sind, um Handeln gezielt zu planen und dann auszuführen.

Es ist ersichtlich, dass Menschen, die in den genannten Bereichen Probleme haben, auch beim Fahren eines Autos und als Verkehrsteilnehmer allgemein in ihrer Fahrtüchtigkeit eingeschränkt sein können.

Tatsächlich wurde in mehreren Studien belegt, dass Menschen mit ADHS ein erhöhtes Unfallrisiko haben und dabei selbst meist auch schwerere Schäden erleiden und verursachen als Menschen ohne ADHS.

Dies gilt vor allem für junge Menschen, die gerade ihre ersten Fahrerfahrungen sammeln. Eine neuseeländische Studie weist darauf hin, dass nicht nur junge Männer, sondern auch junge Fauen ein erhöhtes Unfallrisiko haben.

Um zu untersuchen, wie sich Stimulanzien auf die Fahrtüchtigkeit auswirken, wurden mehrere Studien durchgeführt. Hier sollen kurz zwei davon vorgestellt werden.

Cox et al. führten insgesamt vier Studien zu dem Thema durch.Alle zeigten eine signifikante Verbesserung der Fahrtüchtigkeit, wenn Methylphenidat gegeben wurde.

In einer der Studien wurden sieben männliche Probanden mit ADHS mit einer gesunden Kontrollgruppe von sechs Männern verglichen. Die von ADHS betroffenen Männer hatten in ihrer Vorgeschichte bereits deutlich mehr Unfälle als die Kontrollgruppe.

Beide Gruppen wurden entweder mit Placebo oder Methylphenidat aufdosiert. Nach einer Woche wurden sie je 90 Minuten nach der Einahme am Fahrsimulator getestet. Die Probanden mit ADHS zeigten unter Einfluss von Methylphenidat eine signifikante Verbesserung ihrer Fahrleistung. Die Probanden ohne ADHS zeigten unter Methylphenidat eine leichte Verschlechterung.

2005 führten Barkley et al. eine Untersuchung an 53 Männern und Frauen mit ADHS durch. Die Studie war doppelblind und placebokontrolliert.

Die Probanden führten jeweils vier Fahrten an einem Fahrsimulator durch. Zunächst wurde eine Fahrt ohne Methylphenidat oder Placebo durchgeführt um eine Vergleichsmöglichkeit zu haben. Dann gab es je eine Fahrt mit Placebo, mit 10 mg und mit 20 mg Methylphenidat.

Auch hier zeigte sich durch Methylphenidat eine signifikante Verbesserung der Fahrleistung.

Lenkvermögen und die Fähigkeit die Geschwindigkeit anzupassen, verbesserten sich.
Die Verbesserung war dosisabhängig und bei der höheren Dosis stärker ausgeprägt.

Die erhältlichen Daten lassen alle den Schluss zu, dass Methylphenidat, wenn es bestimmungsgemäß eingesetzt wird, die Fahrtüchtigkeit von Menschen mit ADHS verbessert.

Nachtrag 2020:



Quellen:

Wie beeinflusst Methylphenidat das Fahrverhalten?
Hofecker Fallahpour, Dr. med. Maria
Neurologie & Psychiatrie
2005

ADHS im Erwachsenenalter
Johanna Krause und Klaus-Henning Krause
Schattauer
2009

Methylphenidat

(Verfasserin: M. Witte)

Methylphenidat (kurz MPH) wurde zum ersten Mal von Leandro Panizzon im Jahre 1944 synthetisiert. Er suchte eine alternative Substanz zu Amphetaminen, die zwar deren stimulierende Wirkung hatte aber nicht deren Nebenwirkungen und Suchtpotential. Panizzon benannte die von ihm entwickelte Substanz Ritalinsäure nach seiner Frau Marguerite, die Rita genannt wurde.

Methylphenidat gehört zu der Gruppe der Stimulanzien und innerhalb dieser zu den Amphetamin-Derivaten (es ist also selbst kein Amphetamin). Es enthält im Kern Phenylethylamin, genauso wie die Neurotransmitter Dopamin und Noradrenalin, auf die es Einfluss nimmt. Die genaue Wirkungsweise der Substanz ist noch nicht bekannt. Es lassen sich allerdings Hypothesen und Theorien zur Wirkung aufstellen.

So geht man zum Beispiel davon aus, dass MPH auf das dopaminerge System einwirkt. Bei ADHSlern wurde in vielen Untersuchungen eine erhöhte Anzahl von Dopamintransportern festgestellt. Aufgrund dieser erhöhten Dichte kann der normale Informationsausstausch am synaptischen Spalt nicht richtig stattfinden. Durch MPH wird die Dopamintransporterdichte reduziert und so der Informationsausstausch normalisiert.

Methylphenidat gibt es in Kapsel- und Tablettenform von vielen verschiedenen Herstellern. Es wird oral eingenommen und sehr schnell resorbiert. Das Einsetzen der Wirkung ist meistens bereits nach 30 Minuten zu spüren. Je nach Patient hält die Wirkung 3 bis 4 Stunden an.

Und wie wirkt Methylphenidat auf einen ADHSler?

Es mindert die motorische Unruhe bei hyperaktiven ADHSlern, senkt die Impulsivität und steigert die Aufmerksamkeit. Weiterhin sorgt es für vermehrte Wachheit was besonders bei den ADSlern ohne Hyperaktivität (den „Träumerchen“) von Bedeutung ist.

Die Nebenwirkungen sind begrenzt. Am häufigsten kommen Appetitminderung, Abdominalbeschwerden und Schlafstörungen vor. Diese Nebenwirkungen verschwinden meist nach einiger Zeit der Therapie oder lassen sich durch Anpassung der Dosis und Veränderung des Einnahmezeitpunkts beherrschen.

Bei den Präparaten, die MPH als Grundlage haben, gibt es verschiedene Freisetzungsformen. Es gibt schnellfreisetzende Präparate (englisch: Immediate Release), die Ihren Wirkstoff schnell abgeben und eine recht kurze Wirkzeit haben ( etwa 3 Stunden). Dann gibt es langsam freisetzende Präparate (Sustained Release) die den Wirkstoff über einen langen Zeitraum abgeben (je nach Hersteller zwischen 6 und 10 Stunden). Mittlerweile gibt es auch kombinierte Präparate, die aus schnell und langsam freisetzenden Methylphenidat bestehen. Sie geben zunächst eine Dosis schnellwirkendes MPH ab um den initialen „Ansto? zu erreichen und lassen dann über einen längeren Zeitraum das restliche MPH austreten.

Jede der beschriebenen Darreichungsformen hat ihre eigenen Vor- und Nachteile. Welche für einen Patienten die geeignete Form ist, muss zusammen mit dem Arzt überprüft werden.

Methylphenidat wurde 1954 auf den Markt gebracht. Es wird somit seit über 50 Jahren erfolgreich zur Behandlung von ADHS eingesetzt. Seitdem wurden viele Studien durchgeführt die sowohl die Wirksamkeit als auch die Sicherheit der Substanz belegen.

Literatur:
Krause, Johanna, Krause, Klaus-Henning; 2005; ADHS im Erwachsenenalter; Stuttgart, Schattauer
Hrsg. Schulte-Markwort; 2004; Methylphenidat; Stuttgart; Thieme

Kontraindikationen bei Methylphenidat

(Verfasserin: M. Witte)

Kontraindikationen können in absolute und relative Kontraindikationen aufgeteilt werden. Eine absolute Kontraindikation liegt dann vor wenn ein Medikament auf keinen Fall verabreicht werden darf.

Bei Methylphenidat liegt eine absolute Kontraindikation vor
 

wenn eine psychotische Erkrankung vorliegt, wie eine schizophrene Pychose, oder eine manisch-depressiver Psychose;  Drogenmissbrauch und Drogenabhängigkeit.

Methylphenidat darf nicht während, und 14 Tage nach der Einnahme von MAO-Hemmern genutzt werden.

Auch während der Schwangerschaft und Stillzeit sollte kein Methylphenidat eingenommen werden. da die Auswirkungen auf Ungeborene und Säuglinge nicht bekannt sind.


Von diesen Fällen abgesehen gibt es bei Metylphenidat nur noch relative Kontraindikationen, also solche bei denen im Einzelfall über die Gabe entschieden werden muss
 

wenn es Hinweise auf Suchtmittelmissbrauch in der Familie gibt

wenn das Kind zu jung ist (unter 5 Jahren)

wenn beim Patienten oder in der Familie Ticstörungen vorliegen

wenn akute, extreme Angstzustänge vorliegen

wenn abnorme kardiale Arrhytmie und abnormer Bluthochdruck vorliegen

wenn es nicht zu einer ausreichenden Kontrolle der Medikamenten Einnahme und des Verlaufs kommt.



Was bei Epilepsie und Ticstörungen zum Thema Kontraindikationen zu beachten ist, ist in den entsprechenden Texten Methylphenidat und Epilepsie und Methylphenidat und Ticstörungen“ nachzulesen.

Quelle(n)
Hrsg. Schulte-Markwort; Michael; Warnke, Andreas; 2004; Methylphenidat; Stuttgart; Georg Thieme Verlag

Methylphenidat bei Ticstörungen

(Verfasserin: M. Witte)

Schätzungsweise 30% der Menschen mit einer Ticstörung haben ein komorbides ADHS. Es ist bekannt, dass Methylphenidat manchmal als Nebenwirkung ticähnliche Verhaltensweisen auslöst. Eigentlich sollte man also meinen, dass Methylphenidat bei ADHSlern mit Ticstörungen nicht eingesetzt werden sollte. Manchmal ist das ADHS jedoch so stark ausgeprägt, dass eine medikamentöse Behandlung nötig ist. Interessanterweise zeigen die meisten Studien die sich mit dem Thema beschäftigen, dass Methylphenidat keinen Einfluß auf die Ticstörungen hat.

Eine Studie über den Einfluss von Mehylphenidat auf Ticstörungen wurde 2002 in den USA durchgeführt. Es handelte sich um die „Tourette’s Syndrome Study Group“. An der Studie nahmen 136 Kinder teil, die ein ADHS und eine chronische Ticstörung hatten. Die Kinder wurden per Zufall in vier verschieden Gruppen aufgeteilt. Eine Gruppe wurde mit Mehylphenidat behandelt, eine mit Clonidin, eine mit Methylphenidat und Clonidin und eine bekam ein Placebo. Die Untersuchung war Doppelblind und Placebo kontrolliert.

In allen vier Gruppen kam es zunächst zu einem (statistisch nicht signifikanten) Anstieg der Ticstörungen. Dieser Anstieg sank jedoch rasch wieder ab und da er in allen Gruppen unabhängig von der Art der Behandlung auftrat wurde geschlossen, dass sie nicht durch die Medikamente verursacht wurden.

Einige andere Untersuchungen (Castellanos et al. 1997; Spencer et al. 1999) stellten sogar ein Nachlassen der Tics unter dem Einfluss von Methylphenidat fest.

Für die Behandlung bedeutet das, dass es durchaus möglich ist Patienten mit ADHS und Ticstörungen mit Methylphenidat zu behandeln. Während der Therapie muss allerdings genau beobachtet werden wie sich die Tics entwickeln. Bei Problemen kann gegebenenfalls die Dosis oder Verabreichungsart angepasst werden.

Quelle(n)
Krause, Johanna, Krause, Klaus-Henning; 2005; ADHS im Erwachsenenalter; Stuttgart, Schattauer
Hrsg. Schulte-Markwort; 2004; Methylphenidat; Stuttgart; Thieme
Hrsg. Prof. Dr. Lehmkuhl, Gerd; 2004; Aufmerksamkeitsdefizit_/ Hyperaktivitätsstörung im Kindes-, Jugend- und Erwachsenenalter; Bremen; UNI-MED

Methylphenidat und Epilepsie

(Verfasserin: M. Witte)

Eine der möglichen Nebenwirkungen von Methylphenidat ist die Senkung der Krampfschwelle.

2001 wurde untersucht wurde, ob Methylphenidat bei Kindern, die ADHS aber keine Epilepsie haben, das Risiko eines Anfallsleidens erhöht. An der Studie nahmen insgesamt 234 Kinder teil. Von diesen wurden 205 mit Methylphenidat therapiert. Bevor die Behandlung begann wurde bei allen Kindern ein EEG durchgeführt. Dabei wurden bei 15% der Kinder epilepsietypische Potentiale festgestellt. Von den 205 Kindern die mit Methylphenidat behandelt wurden entwickelten nach Beginn der Therapie vier Kinder Anfallsleiden. Bei der Bewertung dieser Ergebnisse muss bedacht werden, dass Kinder mit ADHS generell ein erhöhtes Epilepsierisiko aufweisen. 3 dieser 4 Kinder gehörten zu der Gruppe bei denen im EEG epilepsietypische Potentiale festgestellt wurden.

Das Ergebnis der Untersuchung war also, dass bei den Kindern die epilepsietypische Potentiale aufweisen, aber keine Epilepsie haben, durch Methylphenidat ein leicht erhöhtes Anfallsrisiko besteht.

Bei gut eingestellten Epileptikern mit komorbider ADHS ist das Auftreten von Anfällen unter der Anwendung von Methylphenidat nicht zu befürchten.  Es gibt sogar Hinweise darauf, dass die Gabe von Stimulanzien bei idiopathischer Absence-Epilepsie im Kindesalter und juveniler myoklonischer Epilepsie sich positiv auf die Anfallsfrequenz auswirkt.

1997 wurde eine Studie durchgeführt die sich mit der Frage beschäftigte ob Methylphenidat bei Kindern mit Epilepsie und ADHS die Anfallshäufigkeit steigert.  An der Studie nahmen 30 Kinder teil. 25 hatten ihre Epilepsie mit Hilfe von Medikamenten gut unter Kontrolle. Bei den restlichen fünf Kindern war dies nicht der Fall. Zu einer Erhöhung der Anfallshäufigkeit kam es nur bei den Kindern deren Epilepsie nicht medikamentös unter Kontrolle war.

Insgesamt sind die Untersuchungsmitteilungen also nicht eindeutig. In der jüngsten Studie an Kindern mit ADHS, epileptischen Anfällen und EEG-Abnormitäten konnte keine signifikante Änderung der Anfallshäufigkeit festgestellt werden.

Bei Kindern die unter zerebralen Anfallsleiden leiden und mit Methylphenidat behandelt werden sollte die Anfallshäufigkeit genau kontrolliert werden. Besonders Menschen mit Epilepsie die durch antikonvulsive Medikamente Anfallsfrei sind sollten diese Kontrolle regelmäßig erfahren.

Quellen
Krause, Johanna, Krause, Klaus-Henning; 2005; ADHS im Erwachsenenalter; Stuttgart, Schattauer
Universitätsklinikum Giessen und Marburg GmbH; Ritalin und Epilepsie; http://www.uniklinikum-giessen.de/neuroped/RitalinundEpilepsie.html
Hrsg. Schulte-Markwort; 2004; Methylphenidat; Stuttgart; Thieme
Hrsg. Prof. Dr. Lehmkuhl, Gerd; 2004; Aufmerksamkeitsdefizit_/ Hyperaktivitätsstörung im Kindes-, Jugend- und Erwachsenenalter; Bremen; UNI-MED

Wie ist die Gefahr der Abhängigkeit von Medikamenten einzuschätzen?

Die Medikamente auf der Basis von Metyhlphenidat (MPH) fallen unter das Betäubungsmittelgesetz (BTMG). Sie  werden gelegentlich in der Drogenszene gehandelt. Dosis bzw. Darreichungsform unterscheiden sich jedoch bei der Behandlung von ADHS grundlegend. In der Drogenszene wird MPH nicht oral zugeführt, sondern pulverisiert und z.B. intravenös zugeführt. Mit der normalen Form oraler Aufnahme lassen sich keine für Drogenkonsumenten interessante Effekte erzielen. Unter Drogenkonsumenten gilt MPH ohnehin als Stoff zweiter oder dritter Wahl. Abhängigkeiten von MPH sind eher selten und praktisch ausschließlich in Form der Polytoxie (Mehrfachsüchte) anzutreffen.

Nicht einmal nach langjährigem normalem Gebrauch lassen sich Abhängigkeiten feststellen. Eines der größten praktischen Probleme ist es auch für Patienten, die MPH seit vielen Jahren einnehmen, die nächste Einnahme der Tablette nicht zu vergessen.

Andererseits diskutiert man aber auch, dass ohne den Einsatz von Stimulanzien Personen mit ADHS ein erhöhtes Risiko für die Entwicklung von Suchterkrankungen haben. Stimulanzien können also bei potentiellen Suchtpatienten präventiv wirken.

Gibt es bei Methylphenidat die Gefahr einer Suchtentwicklung?

(Verfasserin: M. Witte)


Diese Frage scheint besonders die Medien sehr zu beschäftigen. Dabei haben allerdings die Inhalte der Berichte mehr mit der ausschweifenden Phantasie der Journalisten als mit wissenschaftlichen Ergebnissen zu tun. Da wird von ritalinsüchtigen Kindern, dem Sehen von weißen Licht nach Einnahme von Methylphenidat und Glücksgefühlen berichtet. Wer selbst jemals MPH genommen hat kann sich, ob des erschreckenden Mangels an weißen Lichtern und Hochgefühlen, schon fragen, ob er vielleicht gar kein Methylphenidat bekommen hat.

Im Gegensatz zur Darstellung in den Medien gibt es sogar Studien (Biedermann et al. 1999) die darauf hindeuten, dass eine frühzeitige Behandlung mit Stimulanzien bei Jugendlichen mit ADHS das Risiko für Drogenkonsum um 85% senkt (im Vergleich zu nicht behandelten Patienten mit ADHS).

Bei sachgemäßer oraler Einnahme konnte bisher weltweit keine einziger Fall einer Suchtentwicklung festgestellt werden. (Biedermann et al. 1999; Hechtmann 1985). Die Autoren des Buches „ADHS im Erwachsenenalter“ berichten, dass ihrer Erfahrung nach nur polytoxikomane (Menschen die von mehreren verschiedenen Drogen abhängig sind) Patienten mit Methylphenidat experimentieren.

Für Drogensüchtige hat Methylphenidat kaum einen Wert, da bei oraler Einnahme kein „High“ eintritt. Die einzige Möglichkeit, um mit Methyplphenidat ein „High“ zu erleben, ist die der intravenösen Aufnahme in großen Mengen. Um zu verhindern, dass Methylphenidat auf diese Weise als Suchtmittel missbraucht werden kann, lassen sich viele der Präparate nicht auflösen.

Nora Volkow nahm Untersuchungen vor um herauszufinden, warum Methylphenidat bei oraler Einnahme kein „High“ auslöst. Dieses kommt, wie bereits erwähnt, nur bei intravenöser Anwendung von Methylphenidat zustande, da dabei ein sehr rascher und hoher Anstieg des extrazellulären Dopamins im Sinne einer phasischen Reaktion erfolgt.  Einen solchen Anstieg gibt es auch bei der Einnahme von Kokain. Bei der oralen Einnahme von Methylphenidat kommt es jedoch, wie es auch gewünscht ist, zu einem langsamen Anstieg des Dopamins. Selbst Patienten mit  einer über 50% Blockade der Dopamintransporter gaben an, dass sie so gut wie kein Hochgefühl empfanden. Dieses stellte sich jedoch bei fast allen Personen die Methylphenidat injiziert bekamen ein. (Volkow  u. Swanson 2003)

Manchmal kommt es vor, dass mit Methylphenidat behandelte Patienten eigenmächtig ihre Dosis erhöhen, in der Hoffnung damit eine Leistungssteigerung zu erreichen. Solch ein Missbrauch (es handelt sich jedoch nicht um eine Sucht) kann gesundheitsschädlich sein. Es ist Aufgabe des behandelnden Arztes dem Patienten zu vermitteln, dass ein solches Verhalten nicht vorkommen darf.

Quelle:
Hrsg. Schulte-Markwort; Michael; Warnke, Andreas; 2004; Methylphenidat; Stuttgart; Georg Thieme Verlag