Suchtentwicklung - ADHS

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Suchtentwicklung

Gibt es bei Methylphenidat die Gefahr einer Suchtentwicklung?
(Verfasserin: M. Witte)

Diese Frage scheint besonders die Medien sehr zu beschäftigen. Dabei haben allerdings die Inhalte der Berichte mehr mit der ausschweifenden Phantasie der Journalisten als mit wissenschaftlichen Ergebnissen zu tun. Da wird von ritalinsüchtigen Kindern, dem Sehen von weißen Licht nach Einnahme von Methylphenidat und Glücksgefühlen berichtet. Wer selbst jemals MPH genommen hat kann sich, ob des erschreckenden Mangels an weißen Lichtern und Hochgefühlen, schon fragen, ob er vielleicht gar kein Methylphenidat bekommen hat.

Im Gegensatz zur Darstellung in den Medien gibt es sogar Studien (Biedermann et al. 1999) die darauf hindeuten, dass eine frühzeitige Behandlung mit Stimulanzien bei Jugendlichen mit ADHS das Risiko für Drogenkonsum um 85% senkt (im Vergleich zu nicht behandelten Patienten mit ADHS).

Bei sachgemäßer oraler Einnahme konnte bisher weltweit keine einziger Fall einer Suchtentwicklung festgestellt werden. (Biedermann et al. 1999; Hechtmann 1985). Die Autoren des Buches „ADHS im Erwachsenenalter“ berichten, dass ihrer Erfahrung nach nur polytoxikomane (Menschen die von mehreren verschiedenen Drogen abhängig sind) Patienten mit Methylphenidat experimentieren.

Für Drogensüchtige hat Methylphenidat kaum einen Wert, da bei oraler Einnahme kein „High“ eintritt. Die einzige Möglichkeit, um mit Methyplphenidat ein „High“ zu erleben, ist die der intravenösen Aufnahme in großen Mengen. Um zu verhindern, dass Methylphenidat auf diese Weise als Suchtmittel missbraucht werden kann, lassen sich viele der Präparate nicht auflösen.

Nora Volkow nahm Untersuchungen vor um herauszufinden, warum Methylphenidat bei oraler Einnahme kein „High“ auslöst. Dieses kommt, wie bereits erwähnt, nur bei intravenöser Anwendung von Methylphenidat zustande, da dabei ein sehr rascher und hoher Anstieg des extrazellulären Dopamins im Sinne einer phasischen Reaktion erfolgt.  Einen solchen Anstieg gibt es auch bei der Einnahme von Kokain. Bei der oralen Einnahme von Methylphenidat kommt es jedoch, wie es auch gewünscht ist, zu einem langsamen Anstieg des Dopamins. Selbst Patienten mit  einer über 50% Blockade der Dopamintransporter gaben an, dass sie so gut wie kein Hochgefühl empfanden. Dieses stellte sich jedoch bei fast allen Personen die Methylphenidat injiziert bekamen ein. (Volkow  u. Swanson 2003)

Manchmal kommt es vor, dass mit Methylphenidat behandelte Patienten eigenmächtig ihre Dosis erhöhen, in der Hoffnung damit eine Leistungssteigerung zu erreichen. Solch ein Missbrauch (es handelt sich jedoch nicht um eine Sucht) kann gesundheitsschädlich sein. Es ist Aufgabe des behandelnden Arztes dem Patienten zu vermitteln, dass ein solches Verhalten nicht vorkommen darf.

Quelle:
Hrsg. Schulte-Markwort; Michael; Warnke, Andreas; 2004; Methylphenidat; Stuttgart; Georg Thieme Verlag

 
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